Auf dem Weg nach Neuseeland

Start in Egelsbach
Einmal um die halbe Welt

Zugegeben, als uns die Nachricht erreicht hat, dass die Piper Meridian verkauft wurde, waren alle etwas traurig. Diese Flugzeug hat bei der IFR-Flugschule viele Stunden Ausbildung hinter sich und war über die letzten Jahre fester Bestandteil bei uns. Ein kleines Trostpflaster gab es aber dennoch. Der Käufer wohnt auf der anderen Seite der Weltkugel. Und so musste das Flugzeug dorthin gebracht werden.

Ein Trip, der wohl nicht alltäglich ist. Mit einem Airliner eher weniger ein Problem, als mit einem kleinen Flugzeug mit einer vergleichsweisen geringen Reichweite – ein echtes Abendteuer. Und so machten sich Anfang September 2021 zwei Herren auf den Weg. Das Team: Arnim Stief von N-Flight und Roland.

Ein paar Wörter zu N-Flight

Marissa und Arnim Stief, die Inhaber von N-Flight, sind auf Überführungsflüge spezialisiert. Neben namenhaften Privatleuten zählt auch die IFR-Flugschule und die IFR-Flugschule zu den Kunden von N-Flight. Zuletzt hat Arnim unsere neue Cirrus SR20 G6 aus Amerika geholt.

Während Arnim die meiste Zeit im Flugzeug verbringt, arbeitet seine Frau Marissa im Hintergrund an der Planung eines jeden Fluges. Bei unserem Trip nach Neuseeland konnte ich es miterleben, wie wichtig der Support am Boden ist. Denn nicht überall läuft es so reibungslos ab, wie es die meisten Piloten, die in Europa fliegen, gewohnt sind. Die Unterschiede sind teilweise extrem. Kaum ist Arnim gelandet, gibt es von zu Hause ein neues Update. Ist es besonders dringend, kommt auch schon mal die Info per Satelliten-Verbindung während des Fluges.

Arnim fliegt um die Welt. Wenn man seinen Erzählungen zuhört, könnte man meinen, er war schon überall auf der Welt. Naja, viel fehlt wahrscheinlich nicht mehr davon. Es ist ein Leben aus dem Koffer – aber es könnte wohl kaum interessanter und abwechslungsreicher sein. Erstaunt hat mich seine Routine und mit welcher Geduld die teilweise langwierigen Einreiseverfahren akzeptiert werden.

Wir sind froh, dass wir mit N-Flight einen Partner für unsere Überführungsflüge gefunden haben, der das Flugzeug sicher und absolut zuverlässig ans Ziel bringt.

Darüber hinaus arbeiten wir mit Arnim auch in Egelsbach zusammen. Als erfahrener Cirrus-Pilot und Platinum CSIP ist er ein geschätzter Fluglehrer mit viel Erfahrung.

Arnim Stief N-Flight
Kreta
Die ersten 24 Stunden

Der erste Stopp in Serbien war noch relativ unspektakulär und in gewohnter Umgebung. Die weitere Strecke führte an den griechischen Inseln vorbei nach Sharm el Sheikh.  Der Autor hat Europa etwas wehmütig verlassen – nicht wissend wann er es wiedersieht. Dann ging der Blick wieder nach vorne zur Cockpitscheibe raus. Auf nach Ägypten. Ganz so einfach konnten wir allerdings nicht einreisen. Die CoVID-Krise hat vieles verändert. In Europa kann man mit Impfpass inzwischen wieder relativ gut verreisen. Außerhalb Europas funktioniert die Welt dahingehend völlig anders. Ziemlich kompromisslos werden trotz Impfung immer wieder PCR-Tests verlangt. In Sachen der Auswertungsgeschwindigkeit muss leider sehr viel Geduld aufgebracht werden. In Ägypten war man zumindest sehr hilfsbereit. Das Krankenhaus hat uns einen Helfer geschickt, der den Test direkt im Terminal abgenommen hat. Ein feste Teststation, wie am Flughafen Frankfurt etwa, gibt es nicht. Das Ergebnis erreichte uns am nächsten Morgen.

…Über die Grenzen Europas hinaus, funktioniert die Welt etwas anders.

Der Auftakt unserer Reise war nun vorbei. Der nächste Tag sollte recht anstrengend werden. Wir verließen das Hotel in aller Frühe nach einem ausgiebigen Frühstück.

Anders als geplant

Zu Zeiten von Corona ist es alles andere als einfach. Das betrifft im Wesentlichen auch die Streckenführung. Letztendlich sind wir nicht die Strecke geflogen, die einmal ursprünglich geplant war. Nur eins war dabei sicher – Der Start und das Ziel.

Zum Glück gibt es im Flugzeug eine Klimaanlage. Die Hitze wäre sonst kaum auszuhalten. Die Flughöhe wurde von uns immer möglichst hoch gewählt. Dies aber nicht nur wegen der Temperaturen, sondern eher wegen der Reichweite. In diesen Breiten der Erde war die Temperatur in FL280 mit -14 Grad Celsius sehr warm. Also 27 Grad Celsius über Standard. Dies gab nur einen kleinen Hinweis darauf, wie warm es wohl beim nächsten Tankstopp in Riad (Saudi-Arabien) werden würde.

Saudi-Arabien erlaubt derzeit keine ausländischen Gäste zur Übernachtung. Da es aber eh noch früh am Tag war, ging es weiter bis nach zur Oasenstadt Al-Ain an der Grenze zum Oman. Hier hatten wir am Boden abends um 19 Uhr nach Sunset immer noch 41 Grad. Darüber hinaus fegte eine leichte Brise mit knapp 30 Knoten. Der Propeller machte sich dabei selbstständig. Schwitzen war auch kein Thema, der heiße Wind trocknete alles sofort. So, oder so ähnlich, muss ein Wäschetrockner funktionieren.

Nach dem Tanken, was immer Abends gemacht wird, hieß es wieder einmal warten… Einreisen ist zu Corona-Zeiten eben nicht einfach. 4 Stunden nach der Landung waren die Formalitäten dann endlich erledigt und es ging ins Hotel. Taxi bezahlen mit Kreditkarte? Nein, wo gibt es denn sowas? In Al-Ain zumindest nicht. Mit Dollar vielleicht? Auch nein. Nur lokales Geld oder Bezahlen per App wurde akzeptiert. Also schnell App runterladen und erkennen, dass man für die Registrierung eine lokale Handynummer benötigt. Also was tun? Der Taxifahrer muss mit seiner eigenen Nummer herhalten, um die Registrierung abzuschließen. Erst jetzt konnte der Mann bezahlt werden. Ein langer Tag ging zu Ende – und natürlich knurrt der Magen. Hotel leider Fehlanzeige. Keine Küche während Corona. Achso, das Einchecken im Hotel hat auch nur 1,5 Stunden gedauert. Warum, ist mir bis heute unerklärlich. Mittlerweile war es 22 Uhr. Also schnell ein Taxi bestellen und um die Ecke zum nächsten Restaurant fahren. Wir hatten ja nun die App und waren in der Lage zu zahlen. Taxi per App bestellen… wie praktisch. Wenn es funktioniert. So langsam fing die Laune an zu kippen. Man konnte zwar ein Taxi bestellen und sah das auch in der App, doch leider wurde der Auftrag nach kurzer Zeit wieder storniert. Der vorige Fahrer, dessen Nummer ja noch immer in unserer App gespeichert war, hat die Fahrten einfach wieder gelöscht. Er dachte wohl, wir wollen auf seine Kosten fahren.

Schließlich konnte das Hotel für uns ein Taxi rufen. Am Wunschlokal angekommen mussten wir feststellen,  das Tripadvisor diesmal völlig versagt hatte. Das Restaurant, ausgewiesen mit 4,3 Sternen, war als Solches nicht mehr zu erkennen. Nicht weit entfernt gab es ein indisches Lokal, in dem es unruhig zuging. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Tür auf, Tür zu. Alternativlos versuchten wir unser Glück und wurden angenehm überrascht. Allerdings erst als das Essen auf dem Tisch stand. Zuvor servierte man uns Plastikbecher und Schaumstoffteller. Immerhin war das Besteck aus Metall. Der Geschmack des Essens hat diese keine Unannehmlichkeit verblassen lassen. Typisches indisches Tandori mit Reis. Wenn es nicht so scharf gewesen wäre, hätten wir glatt noch einmal zugeschlagen. Auf die Frage, ob es wohl ein Bier dazu gäbe, hinterließ allerdings ratlose Gesichter bei den Kellnern.

Gut genährt ging es zurück ins Hotel – mit dem Taxi versteht sich. Diesmal klappte es sogar mit der App.

Am nächsten Morgen zum Frühstück. Ja wenn das mal so einfach wäre. Die lokale Corona-App verlangte wieder nach einer lokalen Rufnummer für die erforderliche Registrierung. Wie jetzt dem Wachmann am Eingang des Frühstücksaals erklären, dass man doch geimpft ist und auch einen Impfnachweis hat. Mit Hängen und Würden und langer Diskussion wurde der Autor dann in die heilige Frühstückshalle eingelassen. Die Auswahl war zugegeben eher spärlich. Wohl alles etwas anders zu diesen Zeiten.

Zurück am Flughafen in Al-Ain hieß es wieder einmal warten. Wie schon bei der Einreise, bei der der Beamte ca. 20 Minuten mit Rolands Reisepass verschwunden war, dauerte es wieder einmal seine Zeit. Pass von vorne nach hinten und von hinten nach vorne blättern. Verschwinden und mit einem Stempel wiederkommen. Wir fragen uns, wie lange wohl der Einreisecheck gedauert hätte, wären wir mit einem regulären Airliner angekommen und die Kabine voller Leute gewesen. Wenn man auf dieser Reise eines gelernt hat, dann ist es sich in Geduld zu üben. Wenigstens kann man sagen, dass alle Leute immer sehr freundlich uns stets bemüht waren. Es ist wohl die außergewöhnliche Situation und die Unsicherheit mancher Leute. Wer reist schon zu CoVID-Zeiten mit einem Privatflugzeug um die halbe Welt?

Die Weitereise führte uns nun weiter über die Vereinigte Arabische Emirate, vorbei an Dubai und dem Golf von Oman. Aufgrund der schlechten Sicht, war leider sehr wenig Landschaft zu erkennen. Nach einer längeren Strecke über dem Meer, kam mit dem Anflug auf Karachi (Pakistan) wieder Land in Sicht.

Von Pakistan hört man eher aus den Nachrichten und verbindet gewisse politische Umstände damit. Das Gefühl, dort zu landen, hatte schon etwas Komisches an sich. Das hier die Uhren etwas anders gehen, hat man später auch am Boden gemerkt. Bewaffnete Soldaten und Sicherheitsposten mit schwerem Geschütz waren überall gegenwärtig. Besonders der Flughafen wurde schwer bewacht. Nach einer kurzen Taxifahrt, wurden wir im Ramada-Hotel abgesetzt – das wohl beste Hotel am Platz. Allerdings darf man hier, obwohl das Hotel nach Landeskategorie mit 5 Sternen bewertet ist, nicht mit einem europäischen Standard rechnen. Verglichen mit den Gegebenheiten außerhalb des Hotels, aber absolut in Ordnung. Neben traditioneller Küche, gab es am abendlichen Büffet auch internationale Speisen sowie zwei weitere Restaurants. Etwas ungewohnt war allerdings, dass innerhalb von Gebäuden noch geraucht werden durfte. Die ganze Lobby mit Ihrer Rezeption und einem Bereich zum Verweilen war in leichten Qualm gehüllt. Ganz so, wie man es bei uns in Europa aus den 80igern noch kennt. Früher sicherlich auch bei uns ganz normal, haben wir es als eher unangenehm empfunden. Uns war klar, dass wir diesen Ort so schnell wie möglich wieder verlassen wollten. Doch wie sich herausstellte, sollte es anders kommen. Plötzlich wurde von Indien ein PCR-Test für einen Tankstopp verlangt. Eine Übernachtung war eigentlich in Indien nicht geplant und auch Seitens der indischen Behörde, nicht erlaubt. Das hängt im Wesentlichen mit den politischen Spannungen beider Länder zusammen. Die geplante Stecke sollte über über Sri Lanka und dann nach Indonesien führen. Aufgrund der Wettersituation war dies aber nicht möglich. Der Gegenwind war zu stark, die Flugdauer damit einfach zu lang. Uns war klar, das der Umweg über das Festland einige Tage kosten würde. Trotzdem gingen wir kein Risiko ein und entschieden uns für diese Variante. Die Servicebereitschaft des Personals war stets vorbildlich. So wurde auch der PCR-Test im Hotel organisiert. Nur die Auswertedauer war mit 24 Stunden nicht ganz perfekt. Warten waren wir allerdings schon gewohnt. Trotzdem verloren wir wieder einen Tag.

 

"Und sie bewegt sich doch..."

Mit dem berühmten Zitat von Galileo ging es auf Umwegen nach 3 Tage Pause nun weiter. Die weitere Strecke sollte uns über Lakhnau nach Chittagong in Bangladesch führen. Wir hatten uns schon darauf gefreut, einen tollen Blick auf das Himalaya-Massiv zu erhaschen. Etwas, was man aus Cockpitsicht in unserer Flughöhe sicherlich nicht oft zu sehen bekommt. Alle Kameras waren bereitgelegt. Doch leider kam es, wie so oft im Leben, wieder einmal anders. Das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Keine Chance nach Lakhnau durchzukommen. Die heftige Gewittersituation zwang uns zu einer Landung in Jaipur. Die weitere Wetterentwicklung ließ einen Weiterflug nach Bangladesch nicht zu. Um dann auf Galileo zurückzukommen, war dann ganz plötzlich eine Übernachtung in Indien gar kein Problem. Zuerst mit Händen und Füßen gewehrt, dann alles eben doch machbar. Zugegeben, so ganz traute man uns nicht. Militär war ständig in unserer Nähe. 

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